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Bosch erläutert Elektromobilitäts-Strategie und Verzicht auf eigene Batteriezellen-Fertigung

Bosch hat eine standardisierte 48-Volt-Batterie für Hybride entwickelt, die einfach in neue Fahrzeugmodelle integriert werden kann
Bosch hat eine standardisierte 48-Volt-Batterie für Hybride entwickelt, die einfach in neue Fahrzeugmodelle integriert werden kann

Bosch will 2020 Marktführer im entstehenden Massenmarkt für Elektromobilität sein, erteilt aber einer eigenen Fertigung von Batteriezellen eine klare Absage.

Das Unternehmen setze dabei auf sein System-Know-how sowie die Entwicklung und Produktion der Schlüsselkomponenten wie Elektromotor, Leistungselektronik und Batteriesysteme“, erklärte Dr. Rolf Bulander, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions, am 28. Februar 2018.

 

Die Elektromobilität-Strategie gehe deutlich über den Antriebsstrang hinaus. Bosch besitze Kompetenz im ganzen Ökosystem der Elektromobilität – von serienerprobten Komponenten für elektrifizierte Anwendungen bis hin zur Vernetzung der Ladeinfrastruktur. Dabei setze Bosch gleichermaßen auf alte wie auf neue Kernkompetenzen, um Marktanteile zu sichern und zu erobern.

Die drei Kernelemente der Bosch-Strategie seien System-Know-how, Energieeffizienz und Standardisierung.

 

 

Batteriezellen: Zukauf statt eigener Zellfertigung

 

Bosch werde nicht in die Batteriezellfertigung, sondern auch in Zukunft Zellen zukaufen und daraus Batterien zusammenbauen, sagte Bulander.

 

„Wir sind zur Überzeugung gelangt, dass Batteriezellen langfristig ein standardisiertes Massenprodukt sein werden. Wir müssen die Zelle technisch verstehen, wir müssen sie nicht fertigen. Wir wissen jetzt, dass wir auch ohne eigene Zellfertigung in der Elektromobilität führend sein werden. Die Zellfertigung ist für unseren Erfolg nicht ausschlaggebend. Denn auch für die Zelle gilt: Sie ist nur eine Komponente eines Gesamtsystems, entscheidend wird die Systemkompetenz sein. Das heißt, wir werden das tun, was wir seit Jahren schon erfolgreich machen: Zellen gemeinsam mit Lieferanten spezifizieren, diese dann zukaufen und mit Hilfe unserer Elektronikkompetenz in Batteriesystemen bündeln und veredeln.“

 

Ungeachtet der Entwicklungsfortschritte bei Bosch sei eine Zellfertigung nicht nur eine Frage der Technik. Sie sei vor allem eine wirtschaftliche Unternehmung, die sich rechnen müsse.

 

„Um einen Marktanteil von 20 Prozent und damit eine führende Position zu erreichen, wäre eine Investition von etwa 20 Milliarden Euro für eine Fertigungskapazität von 200 Gigawattstunden erforderlich. Es bleibt mit Blick auf die dynamischen und nur schwer vorhersagbaren externen Marktfaktoren offen, ob und wann sich eine solche Investition für Bosch rechnen würde“, so Bulander weiter.

 

„Nach Bewertung der für den Aufbau einer Zellfertigung relevanten wirtschaftlichen Faktoren sind wir zu dem Schluss gekommen, dass die Investition sowohl in weiterentwickelte als auch in künftige Zelltechnologien zu risikobehaftet ist. Eine solche Investition ist im Gesamtinteresse des Unternehmens nicht vertretbar.“ „Wir sagen ‚nein‘ zur eigenen Zellfertigung, wir sagen aber ‚ja zur Batterie bei Bosch.“

 

Das in den vergangenen Jahren aufgebaute, umfangreiche Know-how im Bereich der Batteriezellen werde Bosch in einem Center of Competence weiterentwickeln. Eine mittlere dreistellige Zahl von Mitarbeitern werde zudem, wie teilweise bisher auch, im Bereich Batteriesysteme tätig sein. Sie sollen Batteriemanagementsysteme und 48-Volt-Batteriesysteme entwickeln und Zellen spezifizieren.

„Für 48-Volt-Batteriesysteme sehen wir großes Potenzial. 2030 wird in 20 Prozent der Neufahrzeuge ein 48-Volt-System den Verbrennungsmotor unterstützen. In diesem Jahr startet die Serienproduktion einer neuen Generation von 48-Volt-Batterien, die sich auch für den Einsatz in Klein- und Kleinstwagen eignen.“

 

 

Ziel: Partner Nummer eins fürs elektrische Fahren

 

Derzeit entstehe ein Markt, in dem die Karten neu gemischt und die ersten milliardenschweren Aufträge vergeben werden. Im vergangenen Jahr habe Bosch 20 neue Aufträge im Bereich der Elektromobilität gewonnen. „Darauf wollen wir aufbauen und im stark wachsenden Umfeld Marktanteile gewinnen und unsere Position ausbauen. Wir setzen auf drei Strategiepfeiler: System-Know-how, Energieeffizienz und Standardisierung“, erklärt Bulander.

 

 

System-Know-how

 

Den Schlüssel zur Marktführerschaft in der Elektromobilität sieht Bosch in einem übergreifenden System-Ansatz. Bei den Komponenten setzt das Unternehmen auf sein umfangreiches System-Know-how.

„Unsere Kunden profitieren von unserer Kompetenz, alle Komponenten im Antriebsstrang intelligent zu verbinden. Dieses breite System-Know-how ist unser Alleinstellungsmerkmal. Es bietet für Bosch großes Geschäftspotenzial“, sagt Dr. Mathias Pillin, der bei Bosch die Elektromobilitätsaktivitäten verantwortet.

Zum Portfolio von Bosch gehören die Schlüsselkomponenten des elektrischen Antriebs wie Elektromotor, Leistungselektronik und Batteriesysteme. Beispielsweise startet in diesem Jahr die Produktion einer neuen 48-Volt-Batterie für Hybridfahrzeuge.

 

 

Energieeffizienz

 

Um die Reichweite von Elektrofahrzeugen weiter zu erhöhen, arbeitet Bosch seit Jahren an einer Verbesserung der Energieeffizienz einzelner Komponenten und des Gesamtsystems.

„Unsere Elektromotoren und unser elektrischer Achsantrieb sind schon jetzt Benchmark bei der Energieeffizienz. Letztlich ist bezahlbare Reichweite der Schlüssel, um der Elektromobilität zum Durchbruch zu verhelfen. Dazu braucht es ein intelligentes Zusammenspiel aller Komponenten des Antriebsstrangs“, sagt Pillin.

Die Logik dahinter: Je weniger Strom Motor und Co. verbrauchen, desto länger hält die Batterieladung und desto weiter fährt das Auto. Hierzu arbeiten die Entwickler des Unternehmens an neuen Generationen von Elektromotoren, Invertern und Batteriesystemen. Weiterentwickelte Thermomanagement-Systeme können die Reichweite von Elektrofahrzeugen um bis zu 20 Prozent erhöhen. Auch spezialisierte Batteriemanagement-Systeme ermöglichen es, Batterien optimal zu steuern. Die Effizienz einzelner Zellen lässt sich so weiter erhöhen.

 

 

Standardisierung

 

Bosch ist sicher, dass der Markt für Elektromobilität in den kommenden Jahren sehr stark wächst. Neueste Marktprognosen des Unternehmens gehen davon aus, dass 2025 mehr als 15 Prozent aller Neufahrzeuge Hybride oder Elektroautos sind. Im Jahr 2030 werden es bereits fast 30 Prozent sein. Mehr als 70 Prozent der Fahrzeuge werden dann mit Verbrennungsmotoren fahren, Teile davon mit elektrifizierter Unterstützung von 48-Volt-Systemen. In diesem rasanten Umfeld bewegen sich heute die unterschiedlichsten Anbieter elektromobiler Mobilität – von klassischen OEMs über Auto-Start-ups bis zu branchenfremden Unternehmen, die Fahrzeuge bauen.

 

Bosch sei in der Lage, mit den unterschiedlichen Entwicklungszeiten- und Anforderungen mitzuhalten. Einen wesentlichen Treiber sieht Bosch in der Standardisierung von Komponenten und Systemen. Damit schaffe das Unternehmen die Grundlage, um Elektromobilität für den Massenmarkt skalierbar und bezahlbar zu machen.

 

Aktuell zeigt Bosch dies mit der eAchse, dem Elektroantrieb der neuesten Generation. Diesen elektrischen Achsantrieb verkaufe Bosch an ein breites Kundenspektrum, das aus etablierten Anbietern wie auch Start-ups besteht. Dabei profitierten Bosch-Kunden auch vom weltweiten Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk. In diesem könne das Unternehmen Projekte flexibel und nah am Kunden realisieren – egal ob in China, Europa oder Nordamerika.

 

„In unserem Unternehmen gibt es heute das geflügelte Wort ‚Kein Auto ohne Bosch‘. Künftig werden wir auch sagen: „Kein Elektroauto ohne Bosch“, fasst Bulander zusammen.

 

 

Robert Bosch GmbH

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