· 

Studie rechnet mit Blase auf dem Batterie-Markt; Second Life-Verwertung von Akkus als alternatives Geschäftsmodell

Berylls-Studie „BATTERIE-PRODUKTION HEUTE UND MORGEN“
Berylls-Studie „BATTERIE-PRODUKTION HEUTE UND MORGEN“

Die Fertigungskapazität für Elektroauto-Antriebsbatterien wächst wesentlich stärker als die Nachfrage durch die Automobilindustrie. Diese Lücke wird sich nach einer umfassenden internationalen Studie des Beratungsunternehmens Berylls Strategy Advisors (München) in den kommenden Jahren nicht schließen.

 

Im Gegenteil, die Schere gehe zunächst weiter auf, bevor sich Kapazität und Bedarf wieder etwas annähern.

 

Problematisch sei dies nicht nur für bereits existierende Batteriehersteller, sondern für neue Player im Markt und vor allem für die Unternehmen, die sich auf das Paketieren der Akkus spezialisiert haben und nicht als Tochtergesellschaften oder Joint Venture eines OEMs oder eines großen Zellenzulieferers arbeiten.

 

Schon heute stehe nur ein kleiner Teil des Packaging-Geschäftes unabhängigen Drittanbietern zur Verfügung und dennoch würden neue Unternehmen in den übersättigten Markt einsteigen. Die Berylls-Studie nennt einen Ausweg aus dem Dilemma: das Fokussieren auf das Second Life der Batterien.

 

 

Akkuproduktion und -bedarf werden auch 2025 stark voneinander abweichen

 

Weltweit sind heute die meisten Batteriefertigungskapazitäten in China installiert und dort befindet sich momentan auch das Gros jener Unternehmen, die aus den einzelnen Zellen, die für die Verwendung im Eelektro-Auto notwendigen Batteriepakete oder Packages herstellen.

 

Die bereits installierten, geplanten und angekündigten Batteriepackfertigungs-kapazitäten weisen laut der aktuellen Berylls-Studie massive Überkapazitäten gegenüber der Elektroauto-Produktion auf.

 

Bis ins Jahr 2021 werde sich die Überproduktion dennoch massiv auf bis zu 30 Prozent vergrößern und sich auch nach 2025 nicht den benötigten wesentlich niedrigeren Abnahmemengen annähern. Die Studie erwartet, dass bis 2020 fast 50 Prozent der Player von der Bildfläche verschwinden.

 

Experten fühlten sich bereits an die Situation der internationalen Photovoltaik-Produzenten erinnert, die Anfang der 2010er Jahre durch massiven Druck chinesischer Hersteller auf die Herstellungspreise der Solarzellen aus dem Markt gedrängt wurden.

 

Für unabhängige Anbieter von Batteriepaketen, blieben nur etwa 15 Prozent des Gesamtmarktes. Dies verdeutlicht die Studie am Beispiel China, einem Markt, der durch Zellenherstellern und OEMs dominiert wird und in dem schon heute spezialisierten Batteriepaketherstellern nur ein sehr kleiner Teil des Gesamtmarktes bleibe.

 

Dieser Umstand werde dadurch verschärft, das weltweit neue Unternehmen in den Markt drängen und sich gleichzeitig die Rohstoffpreise nach oben entwickeln. Die Folge werde eine harte Konsolidierung sein, etablierte Hersteller würden verschwinden, wenn sie sich keine neuen Geschäftsmodelle erschließen. Hier bietet die Berylls Analyse eine Alternative und empfiehlt den Paketherstellern, sich unter anderem dem so genannten Second Life der Auto-Antriebsakkus zu widmen.

 

 

 

Zweitverwertung der Antriebs-Akkus als neues Geschäftsmodell

 

Nach etwa acht Jahren erreichen Lithium Ionen-Autobatterien einen Zustand, der ihre weitere Verwendung als Antriebsenergiespeicher zunehmend unattraktiv werden lässt, erklärt Berylls.

 

Ihre Speicherfähigkeit gehe zurück und damit sinke die Fahrzeugreichweite. Eine Weiterverwendung der Akkus sei jedoch unumgänglich, weil in ihnen wertvolle Rohstoffe wie Kobalt enthalten sind, für deren stoffliches Recycling im großen Umfang derzeit noch die entsprechenden Verfahren fehlen.

 

 

Riesige Batteriekapazitäten für Second Life-Speicher

 

Die Studie von Berylls zeigt nun, dass bis 2032 voraussichtlich eine Batteriekapazität von 1.522 Gigawattstunden (GWh) anfällt, die für den Einsatz als Second Life-Speicher zu Verfügung steht

Es gebe heute zwar vereinzelte Ideen, den ehemaligen Autobatterien ein zweites Leben als stationäre Energiespeicher zu geben, beispielsweise als Notstromversorgung für Krankenhäuser. In großem Maßstab werde dies bislang jedoch kaum umgesetzt.

 

Batteriepaketlieferanten, wie Bosch, ElringKlinger, aber künftig auch BMW, Daimler oder Volkswagen könnten sich in diesem Industriezweig noch frühzeitig positionieren und ein profitables Standbein aufbauen, so die Studie.

 

Denn die Kompetenzen, um aus einer gebrauchten Autobatterie eine rundum zuverlässig arbeitende stationäre Speicherbatterie herzustellen, hätten sie im Haus.

 

Berylls empfiehlt weiterhin, sich die Bereiche Truck, Bus und Off-Highway, also beispielsweise Traktoren oder Bergbaufahrzeuge, anzuschauen. Berylls erwartet hier in den kommenden Jahren ebenfalls eine Verlagerung vom Verbrennungs- zum E-Antrieb.

 

Die Berater sehen aber bislang kaum namhafte Lieferanten, die diese Segmente mit Antriebsenergie-Speicherakkus versorgen könnten.

 

Second Life-Anwendungen und die Produktion von Nutzfahrzeug-Akkupaketen sind nach Ansicht von Berylls neue Geschäftsmodelle, die einen Teil jener Arbeitsplatzverluste kompensieren können, die durch den Schwenk vom Verbrennungsmotor zum Einsatz der E-Maschinen prognostiziert werden.

 

Weitere Informationen: Berylls-Studie „BATTERIE-PRODUKTION HEUTE UND MORGEN“

 

 

Berylls Strategy Advisors GmbH

Laut Studie werden Akkuproduktion und -bedarf auch 2025 stark voneinander abweichen

Kommentar schreiben

Kommentare: 0