· 

BVG, Charité und Land Berlin starten Testbetrieb mit autonomen Elektro-Kleinbussen

Hightech im Kleinformat: Einer der vier elektrisch angetriebenen, autonomen Minibusse
Hightech im Kleinformat: Einer der vier elektrisch angetriebenen, autonomen Minibusse. Bild: Charité/Gudath

Das im Sommer 2017 erstmals vorgestellte Projekt „Stimulate“ kommt jetzt buchstäblich in Fahrt. Nach ausgiebigen Techniktests fahren die elektrisch angetriebenen, fahrerlosen Kleinbusse seit dem 26.03.2018 im Fahrgastbetrieb auf dem Campus Charité Mitte.

Die drei Projektpartner BVG, Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Land Berlin schickten am Morgen das erste Hightech-Fahrzeug auf seine Route.

Für den jetzt begonnenen Pilotbetrieb gibt es auf dem Campus Charité Mitte eine circa 1,2 Kilometer lange Strecke mit neun Haltestellen.

Auf dem Campus Virchow-Klinikum gibt es zwei Routen, eine mit circa 0,8 Kilometern Länge und acht Haltestellen, eine mit rund 1,5 Kilometern und neun Haltestellen.

Alle Routen sind Ringlinien, haben also keine Anfangs- und Endhaltestellen. Unterwegs sind die kleinen Hightech-Busse der Hersteller Navya und EasyMile zu Beginn montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kliniken, Studierende, Patienten sowie Besucher und auch alle Neugierigen und Technikfans können kostenlos einsteigen und das fahrerlose Fahrgefühl erleben.

Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

Insgesamt vier Minibusse wurden für das Pilotprojekt angeschafft. Sie sind im täglichen Fahrgastbetrieb auf festgelegten Routen unterwegs. Auf dem Charité Campus Virchow-Klinikum und auf dem Campus Charité Mitte sind jeweils zwei Fahrzeuge stationiert.

Sie bieten Sitzplätze für elf bzw. sechs Fahrgäste und sind mit einer Höchstgeschwindigkeit von maximal zwölf Stundenkilometern unterwegs. Mitte April soll auch der Betrieb auf dem Campus Virchow-Klinikum starten.

 

Zukunftsträchtiges Mobilitätsangebot für die Smart City

„Wir haben uns das Ziel gesetzt, Berlin zu einer der führenden Smart Cities zu machen“, sagte Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, zum Start des Fahrgastbetriebes. „Dabei spielen unsere Landesunternehmen und Forschungseinrichtungen eine wichtige Rolle. Das Projekt von BVG und Charité ist dafür ein perfektes Vorzeigebeispiel: Mit innovativer Technologie gestalten wir gemeinsam ein zukunftsträchtiges Mobilitätsangebot, das den Menschen in unserer Stadt zugutekommen wird.“

 

Akzeptanz des fahrerlosen Betriebs wird untersucht

Das Land Berlin wird gemeinsam mit der Charité und ihrem Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften die Akzeptanz und weitere praktische Aspekte des fahrerlosen Betriebs untersuchen.

Das Forschungsprojekt läuft bis zum Frühjahr 2020. Das Projektbudget liegt bei ca. 4,1 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert „Stimulate“ mit rund 3,2 Millionen Euro.

 

Digital vernetzte, emissionsfreie Mobilität

„Wir wollen erforschen, ob man mit diesem Ansatz mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV bewegen und so die Umwelt entlasten kann“, erklärt Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

„Dabei geht es auch um die Frage, inwieweit Fahrgäste autonomes Fahren akzeptieren, um daraus für den weiteren Einsatz solcher Fahrzeuge zu lernen. Digital vernetzte, emissionsfreie Mobilität bietet eine große Chance, Umwelt- und Lebensqualität in Stadt und Land mit flexibler Mobilität zu verbinden.“

 

In der Anfangsphase ist immer eine Begleitperson an Bord

Für die Charité als Gesundheitscampus geht es neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch um den ganz praktischen Nutzen der fahrerlosen Gefährten: „Sowohl unser Campus Charité Mitte als auch unser Campus Virchow-Klinikum verhalten sich wie kleine Mikrokosmen, in denen sich Patienten, Besucher, Mitarbeiter und Studierende bewegen“, sagte Prof. Dr. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité.

„Wir erhoffen uns durch das Projekt, das bereits bestehende Transportangebot für sie in Zukunft erweitern und ihren Alltag dadurch erleichtern zu können.“

Scheu vor der neuen Technik müssen die Fahrgäste nicht haben. In der Anfangsphase ist immer eine so genannte Begleitperson mit an Bord, die eingreifen kann, wenn die hochsensible Technik mit einer Verkehrssituation nicht zurechtkommt. Voraussichtlich ab Frühjahr 2019 wollen die Projektpartner dann auch das unbegleitete Fahren testen.

 

Charité-Standorte bilden den Verkehrsalltag nahezu vollständig ab

Die zwei Charité-Standorte eignen sich dafür besonders gut, da sie über eine ausreichend große Testfläche verfügen und vom öffentlichen Straßenland abgegrenzt sind. Mit ihren Gehwegen, Kreuzungen und Verkehrsteilnehmern wie Fußgängern, Radfahrern sowie Pkw, Lkw und Bussen bilden sie den Berliner Verkehrsalltag nahezu vollständig im Kleinen ab.

Die BVG erwartet von dem Pilotprojekt wichtige Erkenntnisse über Potenziale der noch jungen Technik, etwa als mögliche Ergänzung zum Hochleistungs-ÖPNV oder auf schwach ausgelasteten Strecken.

„Für uns ist klar, dass wir die Mobilität der Zukunft in unserer Stadt mitgestalten und maßgeblich prägen werden“, sagte Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende und Vorstand Betrieb der BVG. Und ihr Vorstandskollege Dr. Henrik Haenecke, unter anderem zuständig für die Digitalisierung ergänzte: „Mit Projekten wie Stimulate bauen wir unsere Kompetenzen weiter aus, um mit neuen Techniken einen noch attraktiveren Nahverkehr anzubieten.“

 

 

BVG, Charité

Kommentar schreiben

Kommentare: 0