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Elektromobilität im Alltags-Check: DLR-Studie zeigt Vorteile von Elektroautos in gewerblichen Fahrzeugflotten

Die Studie zeigt, dass gewerbliche Fahrzeugflotten prädestiniert sind, wenn es um die Verbreitung der Elektromobilität und das Gewinnen praktischer Erfahrungen geht
Die Studie zeigt, dass gewerbliche Fahrzeugflotten prädestiniert sind, wenn es um die Verbreitung der Elektromobilität und das Gewinnen praktischer Erfahrungen geht

Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) untersuchten in einer Studie Elektromobilität im Alltagseinsatz.

 

"Unsere Studie hat gezeigt, dass die Nutzer mit ihren Elektro-Fahrzeugen zufrieden waren und diese gerne gefahren haben, trotz Einschränkungen bei der Reichweite und gelegentlichen technischen oder logistischen Problemen, beispielsweise beim Laden", fasst DLR-Forscherin Dr.-Ing. Ulrike Kugler, die das Projekt betreut hat, zusammen.

Die Forscher begleiteten im Modellprojekt "elektrisch mobil" den gewerblichen Einsatz elektrischer Fahrzeuge, die von der Erzdiözese Freiburg an verschiedenen Standorten genutzt wurden.

 

Geräuscharmut, Fahrspaß und Beschleunigung besonders positiv bewertet

Zu Beginn des Zeitraums hatten nur wenige Nutzer Erfahrungen mit Elektrofahrzeugen. Nach einem Jahr konnten alle Nutzer eine klarere Einschätzung der Vor- und Nachteile dieses Fahrzeugantriebs geben:

Als besonders positiv beurteilten sie dabei die Geräuscharmut, Fahrspaß sowie das Beschleunigungsverhalten. Die Reaktionen des Umfelds, beispielsweise von Kunden, wurden als überwiegend positiv wahrgenommen. Die E-Fahrzeuge werden von den Nutzern und Einrichtungsleitern als Aufwertung für das Image der Einrichtungen gesehen.

 

Über einen Zeitraum von drei Jahren erprobten mobile Pflegedienste und Serviceeinrichtungen der Erzdiözese 15 elektrische Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller in der Praxis.

 

Die Forscher des Stuttgarter DLR-Instituts für Fahrzeugkonzepte untersuchten parallel dazu den realen Energiebedarf dieser Elektrofahrzeuge sowie die Kosten für Anschaffung, Nutzung und die benötigte Infrastruktur. Sie errechneten die Kohlenstoffdioxidemissionen aus Stromerzeugung und Batterieherstellung und erhoben Erwartungen und Erfahrungen der Nutzer.

 

Als Datenquellen nutzen die DLR-Wissenschaftler Aufzeichnungen aus Fahrtenbüchern und Buchungseinträgen, führten Nutzerbefragungen durch und werteten Erfahrungsberichte aus. Ergänzend flossen Daten aus in den Fahrzeugen eingesetzten "On-Board-Diagnosis-(OBD)-Datenloggern" ein. Diese zeichneten während des Fahrens automatisch bestimmte Parameter wie Geschwindigkeiten, Distanzen, Höhenprofile, Ladezustände und Ladevorgänge auf und ermöglichten so die Ermittlung des Energiebedarfs während der Fahrzeugnutzung.

 

Reichweite, Ladezustände, Ladeinfrastrukur und Kosten

Speziell die Installation der für die 15 Elektrofahrzeuge notwendigen Ladeinfrastruktur erwies sich aus technischer, organisatorischer und rechtlicher Sicht als sehr aufwändig und zog teilweise ungeplante Kosten nach sich.

"Das Modellprojekt hat deutlich gezeigt, dass für den gewerblichen Einsatz in diesem Umfeld hohe Reichweiten nicht unbedingt erforderlich sind. Wichtiger ist es, ein Aufladen auch zwischendurch zu ermöglichen", erläutert DLR-Expertin Ulrike Kugler.

Die Auswertung der Datenlogger-Aufzeichnungen zeigte, dass fast alle Nutzer die Kapazität ihrer Batterie nicht ausreizten, sondern ihre Elektrofahrzeuge spätestens bei einem Ladezustand von 40 Prozent luden. Außerdem sind die realen Kosten der Elektrofahrzeuge ohne Förderung durch die Unterstützer und Partner des Modellprojekts pro Kilometer immer noch höher als für vergleichbare Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb bei gleicher Fahrleistung.

 

Öko-Bilanz ist abhängig vom eingesetzten Strommix

Durch den Einsatz eines Strommix aus rein regenerativen Quellen für den Betrieb der Fahrzeuge fiel die Bilanz der Kohlenstoffdioxidemissionen im Vergleich zu konventionellen Diesel- und Benzinfahrzeugen deutlich positiver aus.

Die vor allem bei der Herstellung der Fahrzeugbatterie entstehenden Mehremissionen an Kohlenstoffdioxid amortisierten sich innerhalb der Nutzungsdauer von drei Jahren.

"Werden die Fahrzeuge weiter verwendet, ist dieser ‚ökologische Rucksack‘ dann bereits verschwunden", so Kugler weiter.

Kommt statt des rein regenerativen allerdings ein konventioneller Strommix zum Einsatz, fällt diese Bilanz schlechter aus und die Amortisation der anfänglich höheren Emissionen aus der Herstellung dauert entsprechend länger.

 

Elektromobilität zunächst bei gewerblichen Flotten

"Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse unserer Studie, dass gewerbliche Fahrzeugflotten prädestiniert sind, wenn es um die Verbreitung der Elektromobilität und das Gewinnen praktischer Erfahrungen geht. Denn hier können die momentan noch vorhandenen Einstiegshürden, wie die hohen Anschaffungskosten, die benötigte Ladeinfrastruktur und die begrenzte Reichweite, besser bewältigt werden als das im privaten Nutzungsbereich möglich ist", bilanziert DLR-Wissenschaftlerin Ulrike Kugler.

Entsprechend sei die Frage nach einer Neubeschaffung von Elektrofahrzeugen für diesen sozial-kirchlichen Einsatzzweck klar bestätigt worden.

 

Die Studie wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMBU) im Rahmen des Projekts "InitiativE-BW" und von der Erzdiözese Freiburg gefördert sowie vom DLR geleitet.

 

Die 160-seitige Studie ist in gedruckter Form erhältlich für eine Schutzgebühr von 10 Euro (zuzüglich Porto) beim Erzbischöflichen Ordinariat Freiburg, Referat Energie und Umwelt, Schoferstraße 2, 79098 Freiburg oder E-Mai: energie.umwelt@ordinariat-freiburg.de.

 

DLR

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