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Studie: Elektroanteil von 25% bei privaten Pkw-Neuzulassungen ist bis 2022 möglich, wenn Fördermaßnahmen sinnvoll kombiniert und optimiert werden

Laut Studie ist Förderung von Heimladepunkten für Elektro-Fahrzeuge das effektivste Mittel. Bild: Stadtwerke Kaiserslautern
Laut Studie ist Förderung von Heimladepunkten für Elektro-Fahrzeuge das effektivste Mittel. Bild: Stadtwerke Kaiserslautern

Eine Studie der Strategie- und Marktforschungsberatung mm customer strategy (München) unter 1.200 privaten Neuwageninteressenten in Deutschland zeigt einerseits, was private Autokäufer von Elektro-Autos erwarten, und andererseits, dass eine kritische Bestandsaufnahme politischer Fördermaßnahmen durchgeführt und deren Neuausrichtung diskutiert werden sollte, um öffentliche Gelder möglichst effektiv und effizient einzusetzen.

 

Elektro-Kaufprämie hat wenig genutzt -540 Millionen Euro drohen zu verpuffen

 

Um die Verbreitung von Elektro-Fahrzeugen zu beschleunigen, bezuschusst die Bundesregierung neben dem Aufbau von öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur seit dem dritten Quartal 2016 den Kauf von neuen reinen Elektroautos mit 4.000 Euro bzw. Plug-in-Hybriden mit 3.000 Euro. Mit diesem Förderpaket mit einem Gesamtvolumen von 1,2 Milliarden Euro können - nach bisheriger Verteilung der Anträge (65 % reine Elektroautos, 35 % Plug-in-Hybride) - insgesamt ca. 330.000 E-Fahrzeuge gefördert werden.

 

Die hälftig vom Staat und den Autokonzernen finanzierten Mittel können bis zum 30.6.2019 beantragt werden oder bis die Mittel aufgebraucht sind, je nachdem, welches Kriterium früher erreicht wird. Nach jetzigem Stand muss sich aber kein interessierter Autokäufer Sorgen machen, zu spät zu kommen: Seit der Einführung Q3/2016 bis Ende Q1/2018 sind erst 17 % abgerufen worden. Wird das durchschnittliche Wachstum der Antragstellungen des Jahres 2017 fortgeschrieben (+30 % pro Quartal), würden bis zum Auslaufen der Förderung zum 30.6.2019 lediglich 55 % der Fördermittel beantragt. 540 Millionen Euro würden verpuffen, eine Summe, die fast doppelt so hoch ist wie der zweite, 300 Millionen Euro schwere, Fördertopf zur Verbesserung der Ladeinfrastruktur.

 

Um die gesamte Kaufförderung auszuschöpfen, müsste die Zahl der Anträge ab sofort doppelt so schnell wachsen wie 2017, d.h. von Quartal zu Quartal um 60 %. In diesem Szenario würde sich der Anteil von Elektroautos an allen Pkw-Neuzulassungen von aktuell 2 % innerhalb von gut einem Jahr bis Ende Q2/2019 mehr als versechsfachen auf ca. 13 %. „Ein überoptimistisches Szenario, wenn man bedenkt, dass die Zahl der Förderanträge vom bislang stärksten Quartal Q4/2017 auf Q1/2018 zum ersten Mal seit Beginn des Förderprogramms sogar um ein knappes Viertel zurückging“, so die Autoren der Studie.

 

 

Gesamtbetrachtung von Angebot, Nachfrage und Fördermaßnahmen notwendig

 

Um Elektro-Autos effizient und effektiv auf deutsche Straßen zu bringen, müssen laut Studie verschiedene Maßnahmen ineinandergreifen: Ein breites, auf die Nachfrage abgestimmtes Angebot von Fahrzeugen und Ausstattungsoptionen wie bei aktuellen Verbrennern mit attraktiven Preisen, technologische Verbesserungen von Reichweiten und Ladedauer sowie Lademöglichkeiten, die mindestens so einfach und bequem nutzbar sind wie heutige Tankstellen.

 

Die öffentliche Hand kann durch geeignete Anreiz- bzw. Sanktionsmechanismen wie z.B. Fördermittel für lokale und überregionale Ladeinfrastruktur, Kaufprämien, Steuererleichterungen kostenlose Innenstadtparkplätze oder die Nutzung von Busspuren für Elektroautos, aber auch Fahrverbote oder eine City-Maut für Verbrenner den Markt für Elektroautos bereiten und beschleunigen, wie in Norwegen seit Jahren eindrucksvoll sichtbar.

 

 

Endkunden-Studie: 2020 sind 4 – 6 % Elektro-Neuzulassungen machbar

 

In einem aus heutiger Sicht durchaus realistischen Szenario mit einer guten Versorgung der Autobahnen mit Schnellladepunkten, deutschlandweiten Innenstadt-Fahrverboten für Verbrenner und unter Berücksichtigung des bis dato noch stark eingeschränkten Angebots von Elektroautos gehen die Berater von mm customer strategy davon aus, dass im Jahr 2020 Elektrofahrzeuge (rein batteriebetriebene Autos und Plug-in-Hybride) einen Anteil von 4,1% an den privaten Neuzulassungen erreichen.

 

Die aktuell kontrovers diskutierten Fahrverbote hätten auf die Nachfrage nach Stromern jedoch nur den zweitgrößten Einfluss: Würden stattdessen Heimladestationen bundesweit gefördert, stiege die Elektroquote bei Neuzulassungen sogar auf 4,6 %. Die Kombination beider Einzelmaßnahmen bedeutete sogar einen Sprung auf 6,3 %.

 

 

Bis 2020 ist das Ziel der Bundesregierung von 1 Million Elektroautos unrealistisch

 

Vor diesem Hintergrund scheint das von der Bundesregierung im Mai 2018 wiederbelebte Ziel von 1 Mio. in Deutschland zugelassenen Elektroautos bis 2020 mehr als ambitioniert, denn hierzu wäre eine Verzehnfachung des aktuellen Elektroanteils unter den Pkw-Neuzulassungen innerhalb von ca. 1,5 Jahren auf über 20% notwendig - dreimal mehr als im ohnehin schon optimistischen Szenario für 2020 und das in dem Jahr, in dem die Elektrooffensive der deutschen Hersteller überhaupt erst richtig beginnt.

 

 

Im optimistischen Szenario sind 2022 rund 25 % Elektro-Neuzulassungen möglich

 

Im Jahr 2022 werden nach heutigem Stand alle großen Hersteller ihr Modellportfolio komplett elektrifiziert haben, so dass die Angebotsvielfalt von reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden hinsichtlich Fahrzeuggrößen, -typen und Ausstattungsvarianten der heutigen Verbrennerwelt gleicht.

Darüber hinaus werden aufgrund von Skaleneffekten und technologischem Fortschritt Batterien und damit Elektroautos nicht nur günstiger, sondern auch größer und lassen sich schneller aufladen als heute. Bei gleichzeitigem Vollausbau der Autobahnen mit Schnellladern sowie City-Fahrverboten für Benziner und Diesel erscheint dann eine Elektroquote von knapp 18 % der privaten Neuzulassungen realistisch.

 

Werden bis dahin auch ausreichend öffentliche Ladepunkte in Innenstädten sowie in Wohngebieten installiert, kann die Elektro-Nachfrage sogar um zusätzlich 3,6 Prozentpunkte auf 21,3 % steigen. Während der flächendeckende Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur zwar langfristig notwendig ist, jedoch teuer und zeitaufwendig ist, zeigen auch hier Subventionen privater Heimladestationen den wirkungsvollsten Effekt: "In Kombination mit den vorigen Maßnahmen führen subventionierte Wallboxen als wirkungsvollste Einzelmaßnahme zu einem weiteren Anstieg der Elektroquote um +4,0 Prozentpunkte auf 25,3 %", erläutert Dr. Felix Kraus, Senior Consultant bei mm customer strategy.

 

 

Elektrifizierung privater Stellplätze kommt in der Debatte zu kurz

 

Während aus nachvollziehbaren Gründen im Vergleich zu Verbrennern neben höheren Anschaffungskosten, die aktuell geringere Reichweite sowie die schwierigere Aufladung von Elektroautos als Hauptargumente gegen den Kauf von Elektroautos angeführt werden, kommt die Elektrifizierung privater Stellplätze als Lösungsansatz viel zu kurz.

 

Die Studie zeigt klar auf, dass die heimischen Lademöglichkeiten maßgeblich das geplante Kaufverhalten der interessierten Kunden beeinflussen: Elektroauto-Interessenten ohne privaten Stellplatz tendieren etwas stärker zu den Plug-In-Hybriden. Ist zwar ein privater Stellplatz vorhanden, empfindet der Käufer die Installation einer Heimladestation an seinem Stellplatz als schwierig bzw. unmöglich, sinkt das Kaufinteresse für Elektroautos fast auf die Hälfte. Folglich kommt heimischen Ladepunkten eine entscheidende Rolle zu, um die Nachfrage nach Elektroautos anzutreiben.

 

Ist ein privater Stellplatz vorhanden, stehen jedoch normalerweise noch zwei wesentliche Hürden im Weg: Zum einen die Kosten für Kauf und Installation des / der Ladepunkte, zum anderen - bei Gemeinschaftsstellplätzen bzw. Mietverhältnissen - das Einverständnis der Miteigentümer bzw. des Vermieters.

 

22kW-Heimladestationen, die das Aufladen innerhalb weniger Stunden ermöglichen, sind bereits ab ca. 700 Euro erhältlich. Für deren Installation inkl. Material und Abnahme durch einen fachkundigen Elektriker sind weitere ca. 1.400 Euro einzuplanen, so dass Einmalkosten in Höhe von gut 2.000 Euro zu Buche schlagen.

 

Die Höhe dieser Kosten, die zusätzlich zum Kaufpreis des Elektroautos anfällt, schreckt viele Interessierte jedoch ab und macht das große Potenzial zunichte: Weniger als ein Fünftel (18 %) aller potenziellen Elektrokäufer würde so viel Geld ausgeben. Bei halbierten Investitionskosten von 1.000 Euro würde sich die Zahlungsbereitschaft auf 36 % verdoppeln bzw. bei einer Viertelung der Kosten auf 500 Euro sogar auf 72 % vervierfachen.

 

 

Wallbox-Förderung effektivstes Mittel - bundeseinheitliche Regelung notwendig

 

"Die bisherigen Fördermaßnahmen für Elektroautos sind nicht effektiv genug - mehr als eine halbe Milliarde Euro des Fördervolumens drohen nicht abgerufen zu werden. Für die effektivste Maßnahme - Förderung von Heimladepunkten fehlen dagegen bundesweit einheitliche Regelungen“, fasst Dr. Markus Müller-Martini, Managing Partner von mm customer strategy, zusammen.

 

„Wenn die Bundesregierung ernsthaft das Ziel von 1 Mio. Elektroautos bis 2020 verfolgen will, ist eine zusätzliche Kaufprämie für Wallboxen der zentrale Hebel - und dies sogar quasi ohne Bereitstellung zusätzlicher Mittel. Die voraussichtlich nicht abgerufenen 540 Mio. EUR Kaufprämie für Elektroautos würden - bei gleichzeitiger Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen für Mieter und Wohneigentümergemeinschaften - über 250.000 private Ladestationen ermöglichen und wiederum den E-Auto-Kauf ankurbeln. Dies verspricht deutlich mehr Elektro-Neuzulassungen als die prognostizierten 180.000 Förderanträge für Elektroautos."

Die möglichst einfache und komfortable Aufladung von Elektroautos zuhause bzw. in unmittelbarer Wohnungsnähe scheint somit nicht nur effektiver als Fahrverbote für konventionelle Autos, sondern hat gleichzeitig einen im Vergleich zu Verbrennern unerreichbaren Vorteil: Der Tank ist morgens immer voll.

 

Über die Studie

 

Die Studie wurde im Juli 2017 mit über 1.200 repräsentativ ausgewählten Neuwageninteressenten in Deutschland und 1.300 Neuwageninteressenten in China mit Fokus auf Privatkunden und User-Chooser in den Fahrzeugsegmenten Kleinstwagen bis Mittelklasse unter der Leitung von mm customer strategy in Kooperation mit dem IfaD Institut für angewandte Datenanalyse GmbH, IFF International Institute for Field Research GmbH und Norstat Deutschland GmbH durchgeführt.

 

mm customer strategy GmbH

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