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Studierende der TU Eindhoven gehen mit einem Elektroauto auf Basis von Flachsfasern und Zucker auf Europatour

Noah ist ein Elektro-Stadtauto, das laut TU Eindhoven eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern und eine Reichweite von 240 Kilometern ermöglicht. Photo: Bart van Overbeeke
Noah ist ein Elektro-Stadtauto, das laut TU Eindhoven eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern und eine Reichweite von 240 Kilometern ermöglicht. Photo: Bart van Overbeeke

Die Umweltbelastung eines Autos wird nicht nur durch seinen Verbrauch, sondern auch durch seine Produktion und letztlich durch sein Recycling bestimmt. Studenten der Technischen Universität Eindhoven haben deshalb ein Auto entwickelt, das in all diesen Punkten optimal sein soll.

 

Das Ergebnis ist Noah, ein ultraleichter, elektrisch angetriebener Prototyp auf Basis von Flachsfasern und Zucker mit einem rechnerischen Kraftstoffverbrauch von einem Liter auf 300 Kilometer. Noah wurde Anfang Juli 2018 enthüllt. Das Studententeam TU/ecomotive geht nun auf Europatournee, um andere zu inspirieren.

 

 

Geringes Gesamtgewicht und Reichweite von 240 Kilometern

 

Noah ist ein Elektro-Stadtauto mit zwei Sitzen, das laut TU Eindhoven eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern und eine Reichweite von 240 Kilometern ermöglicht.

Der erwartete Verbrauch im Stadtverkehr beträgt umgerechnet 1 Liter Benzin auf 300 Kilometer. Dies sei zum Teil auf das geringe Gewicht zurückzuführen. Ohne Batterien wiege Noah 360 kg, das sei weniger als die Hälfte von vergleichbaren Serienfahrzeugen. Das Auto benötige nur Batterien mit einem Gewicht von 60 Kilo, während herkömmliche Elektroautos mehrere hundert Kilo benötigten. Das geringe Gesamtgewicht von 420 kg ermögliche eine besonders gute Straßenlage. Der Prototyp werde in Kürze für den Einsatz auf öffentlichen Straßen zugelassen.

 

Ein Auto aus Zucker und Flachs

 

Eine Besonderheit von Noah ist die Verwendung eines Biokunststoffes, der aus Zucker hergestellt werden kann. Das Chassis und der Innenraum sind aus besonders stabilen Sandwichpaneelen aus diesem Biokunststoff und Flachsfaser gefertigt. Die Karosserie besteht aus Flachsmatten, die mit einem biobasierten Harz eingespritzt werden.

 

Diese biologischen und besonders leichten Materialien benötigen bis zu sechsmal weniger Energie als die üblichen Leichtbaumaterialien wie Aluminium oder Carbon.

 

 

Geringe Umweltbelastung über den gesamten Lebenszyklus

 

Am Ende seiner Nutzungsdauer kann der Biokunststoff gemahlen und als Rohstoff für andere Produkte, wie z.B. Bausteine, verwendet werden. Die nicht-organischen Teile des Autos können in die bestehende Recyclingkette einbezogen werden. Aus einer Umfrage des studentischen Teams gehe hervor, dass es kein anderes Auto auf der Straße gibt, das über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg eine ebenso geringe Umweltbelastung aufweist.

 

In den Sommermonaten besucht das Team unter anderem europäische Automobilhersteller, Zulieferer und Universitäten. Die Studenten haben jedoch keine Pläne, das Auto auf den Markt zu bringen.

"Es geht um Bewusstsein", sagt Teammitglied Cas Verstappen, Student der Kraftfahrzeugtechnik an der TU/e. "Wir wollen zeigen, dass eine Kreislaufwirtschaft bereits bei komplexen Produkten wie Autos möglich ist."

 

Er erwartet nicht, dass ähnliche Autos sofort auf den Markt kommen, aber er sieht den Einsatz von Biokunststoff in den Strukturteilen und im Innenraum als echte Option.

 

 

TU Eindhoven

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