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Studie: Aufwärtstrend im globalen Elektroauto-Markt hält an; deutsche Hersteller pausieren bei ihrer Aufholjagd

Trotz des auch in den vergangenen Jahren beobachteten Rückgangs zum Jahresstart hält der deutliche Aufwärtstrend des E-Auto-Markts laut AlixPartners an.
Trotz des auch in den vergangenen Jahren beobachteten Rückgangs zum Jahresstart hält der deutliche Aufwärtstrend des E-Auto-Markts laut AlixPartners an.

Nach einem schwachen Jahresstart hat der Absatz von Elektroautos weltweit wieder Fahrt aufgenommen und ist auf seinen Wachstumskurs zurückgekehrt, so der quartalsweise erhobene Automotive-Electrification Index des Beratungsunternmehmens AlixPartners (New York).

 

Demnach konnten die Hersteller im zweiten Quartal weltweit E-Autos mit rund 83 Mio. km an elektrischer Reichweite verkaufen. Im ersten Vierteljahr hatten sie nur 53 Mio. km E-Reichweite abgesetzt. Gegenüber dem vierten Quartal 2017 war Q1 ein Rückgang von 31 Prozent.

 

Trotz des auch in den vergangenen Jahren beobachteten Rückgangs zum Jahresstart halte der deutliche Aufwärtstrend des E-Auto-Markts aber an. Binnen Jahresfrist steigerte sich die verkaufte E-Reichweite weltweit um 76 Prozent (83 Mio. km in Q2/2018 vs. 47 Mio. km in Q2/2017).

 

 

Steigerung in Deutschland bleibt hinter dem Wachstum des weltweiten E-Automarktes zurück

 

Die deutschen Hersteller scheinen bei ihrer Aufholjagd hingegen eine Pause eingelegt zu haben. Die verkaufte elektrische Reichweite stieg beim deutschen E-Primus BMW zwar von 2,1 Mio. km (Q2/2017) um 38 Prozent auf 2,8 Mio. km (Q2/2018), bei Volkswagen von 1,7 Mio. km um 30 Prozent auf 2,2 Mio. km und bei Daimler von 0,5 Mio. km um 47 Prozent auf 0,7 Mio. km. Doch diese Steigerung bleibt hinter dem Wachstum des weltweiten E-Automarktes (76%) zurück.

Auch bei deutschen Käufern scheint sich die Lust auf Autos mit E-Antrieb einzutrüben. Während sich die verkaufte E-Reichweite in China von Q2/2017 auf Q2/2018 mit 96 Prozent Wachstum fast verdoppelte und in den USA um 67 Prozent stieg, verzeichnete Deutschland lediglich ein Wachstum von vergleichsweise schwachen 34 Prozent.

 

 

Chinesische Hersteller-Ranking dominierten auch im zweiten Quartal 2018 den E-Reichweiten-Index

 

"Das Angebot der deutschen Autobauer an batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen ist immer noch überschaubar, weil mit der Entwicklung hierzulande eher spät begonnen wurde. Auch gibt es immer noch viel zu wenige Lademöglichkeiten. Das verzögert die Entwicklung des E-Mobilitätsmarktes in Deutschland", sagt Marcus Kleinfeld, Managing Director bei Alix Partners.

"Im Vergleich zu neuen Playern agieren die traditionellen Hersteller vergleichsweise zögerlich. Es wird Zeit, dass die deutschen Hersteller ihre Modelloffensive in allen Preis- und Leistungsklassen beschleunigen."

 

Im Hersteller-Ranking dominierten auch im zweiten Quartal 2018 die chinesischen Autoproduzenten den E-Reichweiten-Index. Unter den Top 20 sind 13 Hersteller aus China, darunter BAIC, BYD, SAIC, Chery und Geely. Einen Sprung nach vorne macht Hawtai von Platz 26 (Q2/2017) auf Platz zehn (Q2/2018) und Hainan Automobile von Platz 24 auf 20.

 

Tesla weiter unangefochten an erster Stelle

 

Mit einer verkauften E-Reichweite von fast 18 Mio. km steht aber Tesla weiter unangefochten und mit weitem Abstand an erster Stelle. Renault-Nissan erreicht den zweiten Platz mit 8,4 Mio. km, also nicht einmal der Hälfte des Tesla-Werts. Ansonsten rutschen die europäischen Autobauer im Ranking eher ab: BMW vom sechsten auf den neunten Rang, Volkswagen von Rang acht auf zwölf. Daimler schaffte es im zweiten Quartal mit Platz 22 nicht in die Top 20.

 

 

Elektrifizierungsgrad: Große europäische Staaten treten auf der Stelle

 

Neben der verkauften E-Reichweite ermittelt AlixPartners in einer zusätzlichen Analyse den Elektrifizierungsgrad der verkauften Fahrzeugflotte. BMW, Renault/Nissan, Mitsubishi sowie General Motors fallen im zweiten Quartal aus den Top 20. Dort ist nun mit Ausnahme von Tesla kein US-amerikanischer, europäischer oder japanischer Autobauer mehr vertreten.

Der Elektrifizierungsgrad der deutschen Hersteller stieg in den vergangenen zwölf Monaten jeweils nur leicht an - von 0,66 Prozent auf 0,90 bei BMW, 0,14 auf 0,21 bei Daimler und 0,13 auf 0,16 bei VW. Im Blick auf einzelne Länder holen dabei vor allem Südkorea und Kanada auf. Große europäische Staaten treten im Ranking dagegen eher auf der Stelle (Deutschland) oder fallen sogar zurück (Großbritannien, Frankreich). Doch sind hier sieben kleinere europäische Staaten in den Top 10 vertreten. Weltweiter Spitzenreiter ist weiterhin Norwegen mit einem Elektrifizierungsgrad der verkauften Flotte von 14 Prozent. Damit wird allerdings nicht einmal ein Zehntel der im Vergleich zu China verkauften E-Reichweite in Kilometer erreicht. Auf Norwegen folgt in weitem Abstand Island mit 2,5 Prozent auf Platz zwei.

 

"Der rasche Ausbau der Ladeinfrastruktur ist der Schlüsselfaktor für die Entwicklung des Elektrofahrzeugmarktes; das zeigt das Beispiel Norwegen", so Hannes Weckmann, Director bei AlixPartners. "

 

Doch bei den Antriebssystemen erwarten wir, dass sich - anders als in Norwegen oder China, die sehr stark auf rein batteriegetriebene Fahrzeuge setzen - hierzulande ein Mix aus verschiedenen Technologien etabliert: Batterieantriebe, Brennstoffzellen- und Synfuel-Fahrzeuge."

 

Der AlixPartners Automotive-Electrification Index:

 

Die Elektrifizierung in der Automobilindustrie wird in der Regel über die Anzahl verkaufter Elektrofahrzeuge gemessen. Schlüsselwert in der Berechnung des AlixPartners Automotive-Electrification Index ist hingegen die in den jeweiligen Absatzmärkten oder von Autoherstellern verkaufte elektrische Reichweite, also die Strecke, die ein elektrifiziertes Auto ohne Unterstützung durch einen Verbrennungsmotor und ohne Wiederaufladen zurücklegt. Der AlixPartners Automotive-Electrification Index ermittelt die elektrische Reichweite der verkauften Fahrzeuge nach der Formel "Zahl der verkauften Elektrofahrzeuge" * "Elektrische Reichweite ohne Unterstützung durch Verbrennungsmotor". Eine zusätzliche Analyse ermittelt den Elektrifizierungsgrad der verkauften Fahrzeugflotte nach der Formel: "Zahl der verkauften Elektrofahrzeuge" * ("Elektrische Reichweite (ohne Unterstützung durch Verbrennungsmotor) / 500 km") / "Gesamtzahl der verkauften Autos". Die Gewichtung um 500 Kilometer entspricht hier Industriestandard der Reichweite von Verbrennungsmotoren.

 

In die Berechnungen des AlixPartners Automotive-Electrification Index einbezogen werden folgende Fahrzeugtypen: Batteriebetriebene Elektrofahrzeuge (BEV), Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEV) und Plugin-Hybride (PHEV); ausgeschlossen sind Fahrzeuge mit Hybridantrieb (HEV) ohne Plug-in-Option. Die Analyse basiert ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Daten, vor allem von IHS Markit und EV-volumes (globale Verkaufszahlen von "Light Vehicles" und Elektrofahrzeugen). Die in den Berechnungen angesetzten elektrischen Reichweiten der Fahrzeuge beruhen auf Daten von EV-volumes sowie veröffentlichten Informationen der Automobilhersteller.

 

 

AlixPartners

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